DES HENLY “ON THE ROAD" – DIE BEATLES IN WESTON-SUPER-MARE
Ich werde mich immer daran erinnern als ich die Beatles traf; es war ein warmer
Sommerabend der 22. Juli 1963.
Damals hatten Mario und ich gemeinsam mit Mario's Bruder Remo und Drummer Bob
Daives gerade eine Band mit dem Namen "Die Iveys" gegründet.
An jenem Abend hatten wir einen Gig ein paar Meilen außerhalb der Stadt
gespielt, in der Rossholm Mädchenschule in Brent Knoll. Nach unserem Auftritt
fuhren wir zurück nach Weston. Ich auf meiner Triumph Tiger Club Maschine
mit Bob hinten drauf. Remo auf seiner Vespa mit seinem Bruder.
Marios Vater hatte alle unser Equipment auf den Rücksitz seines Rover 90
gepackt, wir fingen damals gerade erst an!
Auf der Fahrt nach Weston sahen wir erstaunt, dass tausende aufgeregte Menschen
um das Odeon Kino herumstanden.
Dann fiel der Groschen - die Beatles waren in der Stadt und hatten gerade den
ersten Abend gespielt. Sie sollten eine Woche lang im Odeon spielen.
Obwohl sie bereits 1963 die berühmteste Band waren, hatten sie noch nicht
die schwindelnden Höhen ihrer Popularität erreicht, die sie später
erreichen sollten - daher die Auftritte eine Woche lang in Weston-super-Mare!
Es war offensichtlich, dass die Beatles das Odeon noch nicht verlassen hattten,
also fuhren wir schnell rechts ran (war damals einfacher) um den Moment zu genießen.
Fünf Minuten später wurde der Lärm der Menge zu einem Tosen,
als ein weißer 15 Zentner Thames Van rückwärts an den Ausgang
gegenüber des Bristol & Exeter Pub (heute bekannt als The Town Crier)
heranfuhr.
Gleich würden die Beatles aus dem Gebäude kommen!
Ihr langjähriger Freund und Fahrer Neil Aspinall saß am Steuer. Er
steuerte das Fahrzeug eifrig durch die Menge, um es so zu positionieren, dass
die Beatles direkt vom Bühnenausgang hinten ins Auto springen konnten.
Kein leichtes Manöver, wenn man die verrückte Menschenmenge bedenkt.
Die "Fab Four" stürmten aus dem Ausgang in den Transporter, und
fanden dabei noch die Zeit, zu lächeln und ihren Fans zuzuwinken.
Die Tür schlug zu, und weg waren sie. Wir sprangen auf unsere Motorräder,
folgten dem Wagen auf den Fuß und bemerkten bald, dass sie hoffnungslos
im Kreis fuhren und eigentlich nirgendwohin. Bei ihrem zweiten Exkurs zur Wadham
Street (nahe Grove Park) stoppte der Wagen. Sie hatten wohl gesehen, dass wir
ihnen folgten. Eine der hinteren Türen öffnete sich und George Harrison
erschien und fragte mich in seinem unverkennbaren Liverpool-Akzent "Könnt
ihr uns den Weg zum Royal Pier Hotel zeigen, bitte?"
Ich versuchte, meine Aufregung über diese unerwartete Begegnung nicht zu
zeigen und sagte: "Klar, folgt uns."
Mit den Beatles im Schlepptau fuhren wir los, erreichten das Hotel, und nutzen
den Moment aus und folgten ihnen hinein.
Als wir dann mit ihnen an der Rezeption standen fühlten wir uns doch etwas
komisch und wussten nicht, was wir tun sollten. Wir drehten uns um und sagten
"Goodnight". John Lennon sah uns an... "Danke Jungs - Goodnight!"
Immer noch aufgeregt, dachte ich, das wäre nun das Ende unsere"Beatles-Erfahrung",
aber das war erst der Anfang!
Wir hatten unsere Tickets für den zweiten Konzertabend bereits Monate
vorher bestellt und genossen jede Sekunde der Show - die waren wirklich großartig.
Ich kannte einen der Manager des Odeon, und an jenem Abend fragte er mich "warst
du das gestern auf dem Motorrad?" Ich sagte ja, und er sagte, wir können
die Beatles nach der Show einfach nicht wegkriegen, die Menge ist zu groß,
also haben wir einen Plan gemacht.
Wir werden als Köder einen Transporter an einem der anderen Ausgänge
benutzen. Wenn ihr jeden Abend Backstage sein könntet, dann werden wir
in letzter Minute entscheiden, welchen Ausgang wir benutzen und ihr könnt
mit euren Motorrädern warten um sie zu ihrem Hotel zu geleiten.
Wir nahmen sofort an, und wurden für den Rest der Woche die offizielle
"Eskorte" der Beatles!
Eines Abends kamen die Beatles aus einem der ihnen zugewiesenen Ausgang und
wir warteten auf sie, aber der Transporter erschien nicht.
Da waren wir nun, auf der Straße mit den "Fab Four", Tausende
kreischender Fans, die nach ihnen suchten gleich um die Ecke! Jede Sekunde erwarteten
wir jemanden rufen zu hören "DA SIND SIE!" und umringt zu sein
von Menschen.
George sagte etwas, das für meine Ohren heißen sollte: "Let's
get the car"
Zufälligerweise hatte George seinen Mark X Jaguar zum Check in die Victoria
Garage gebracht, welche zu der Zeit einen Eingang direkt gegenüber dem
an jenem Abend benutzten Bühnenausgang hatte.
Einer aus meinem Team, Mike Millington (Millie), besaß den Schlüssel
zur Victoria Garage, er war dort Mechaniker. Wir alle liefen über den Rasen
um zum Eingang zu kommen. John Lennon fiel unterwegs und fluchte. Ich half ihm
auf und wir rannten weiter und befürchteten ernsthaft, dass wir jeden Moment
von der Meute gesehen werden könnten.
Wir betraten die Victoria Garage und Mike führte die Band zu Georges Auto.
Alle blickten verwundert und George sagte: "Was zum Teufel machen wir hier?"
Ich antwortete: "George, du hast gesagt, let's get the car" - "Ich
sagte cab, und nicht car!" HUUCH! Da standen wir nun mit den vier Beatles,
immer noch in ihrem klassischen Bühnenoutfit (die typischen Beatles-Jacken
und Schuhe, die Krawatten immer noch exakt sitzend..) in einer schwach beleuchteten
Werkstatt in Weston-super-Mare abends um halb elf - es war unwirklich . wie
ein Traum! Alle sprangen in Georges Auto und wir begleiteten sie sicher zu ihrem
Hotel.
Backstage die nächsten vier Nächte, haben wir viel miteinander geredet
und wir duzten uns.
Als einigen meiner Freunde klar wurde, in welch privilegierter Position wir
waren, versuchten sie natürlich, sich dies zu Nutzen zu machen um selbst
den Beatles näherzukommen.
Wir händigten viele Liebesbriefe aus, zusammen mit Plüschtieren und
anderen Geschenken. Einmal übergab ich Paul McCartney einen Liebesbrief
mit lauter Herzen drauf. Die Absenderin hatte mich gebeten ihm genau zu sagen,
auf welchem Sitzplatz sie an dem Abend sitzen würde... "Paul, dies
hier ist von einem blonden Mädchen, das in der dritten Reihe sitzt und
dir Küsse zuwerfen wird".
John kam gerade die Treppe herunter aus der Garderobe, hatte mich zufällig
gehört und fragte "Mädchen?...wo sind die Mädchen?".........
"Ich dachte, du bist verheiratet?" sagte ich. Ich war gerade mal 16
und war zuerst geschockt von seiner Antwort .... "Na und?".....bis
er seinem Kommentar ein breites Grinsen folgte.
Jeden Abend verbrachten wir mindestens 15 bis 20 Minuten alleine mit den Beatles,
während wir auf unsere Instruktionen bezüglich des Ausgangs warteten.
Es gab viele Gespräche... und viele Erinnerungen...
…..John Lennon komponierte auf einem Piano backstage – ich frage
mich was? …..
.....ausgeschimpft von allen vieren, weil das Bremslicht an meinem Motorrad
nicht ging. Ich musste versprechen, dass ich es reparieren lasse.
.....eine lange und rege Konversation mit George über seine Liebe zu Autos,
besonders seinen Mark X Jaguar....
....als ihr Transporter an einer Ampel stand, Mädchen sie erkannten und
kreischten, nur damit Ringo mich angrinsen konnte, energisch auf sich selbst
deutete, um mir zu versichern, dass die Mädels wegen ihm kreischten, und
nicht wegen mir... (Ringo hatte einen großartigen Sinn für Humor)
Und schließlich .... Backstage im Odeon stand ich in der Kulisse und schaute
ich mir jeden Auftritt an. Ich habe mich noch nie so gefreut, als Paul zu mir
herübersah und mir anerkennend zuzwinkerte.
18 Jahre später bekam ich die Chance, mich mit der gleichen Geste zu revanchieren.
Paul lud Fumble ein, mit ihm und anderen im Hammersmith Odeon in London aufzutreten.
Als wir unser Set spielten, sah ich ihn seitlich der Bühne stehen, wie
er uns zusah. Genau, wie ich es von achzehn Jahren in Weston-super-Mare getan
hatte.
Ich nickte und zwinkerte ihm zu - Paul gab mir ein "Daumen hoch" und
nickte zurück. Aber er konnte nicht wissen, dass dieser Blickwechsel mich
an die Zeit vor achzehn Jahren in Weston-super-Mare erinnerte, als ich, gerade
mal 16, so stolz gewesen war, Eskorte der Beatles zu sein.
Großartige Band - Großartige Erinnerungen - Danke Jungs - Des Henly.

