Zeitungsartikel, englische Musikzeitschriften

New Musical Express
6. Jan 1973

Fumble lassen sich nicht hinters Licht führen

Des Henly begann zuversichtlich, die erste Nummer des Sets zu singen. Sicher hatte er den Rocker in der ersten Reihe bemerkt, der versuchte, seine Aufmerksamkeit auf seine Hose zu lenken. Aber auf diesen Trick würde er nicht reinfallen – Der älteste Trick überhaupt, wenn der Typ in der ersten Reihe versucht, dir klarzumachen, dass du nur halb angezogen bist.
Fünf Minuten später manövrierte Henly seine Gitarre in Position und zog, passenderweise etwas verlegen, seinen Reissverschluss zu.
So ist das Leben für Fumble, eine Band, die sich auf abgegriffene Oldies aus der Fünfzigern / späten Sechzigern spezialisiert, und die in den letzten Wochen eine Kult-Anhängerschaft geschaffen hat. Fumble sind nicht cool und groovy – sie spezialisieren sich nicht auf lange Gitarrensoli oder ähnliches. Was sie versuchen ist, alles zurück zu seinen Ursprüngen zu bringen. Das Leben, so haben sie entschieden, wird schon viel zu ernst genommen. Auf jeden Fall von den meissten Leuten im Musikbusiness in der letzten Zeit.
Einfach weil sie Musik der Fünfziger / Sechziger spielen, werden natürlich Vergleiche mit Sha Na Na gezogen. Tatsächlich sagen Fumble, dass sie weder eine billige Kopie sind, noch eine Sha Na Na Version für Arme.
„Wir haben nicht auf irgendeine Art versucht, sie zu kopieren,“ wurde ich informiert. „Ich habe die tatsächlich nie gesehen,“ erklärte Henly und zog ein komisches Gesicht für den Fall, dass es sich so angehört hat, als würde er Sha Na Na abschreiben und für unwesentlich halten. Der Hauptunterschied zwischen den beiden Bands scheint zu sein, dass es für Sha Na Na ein grosser Jux ist, während Fumble das Ganze ernsthaft machen. So wie die Musik dieser Ära und das Gefühl, welches sie hervorruft.
Wenn wir eine Nummer auf der Bühne spielen, versuchen wir nicht genau wie auf Platte zu klingen – das Wichtigste ist, ein Gefühl rüberzubringen. Wir versuchen sicher nicht, die Songs wiederzubeleben, sondern die schöne Stimmung, die mit diesen Songs verbunden war.
Die Leute sind so ernst, und dabei verpassen sie so viel.
Kids gehen zu einem Konzert und sind besorgt – sie sorgen sich darum, ob sie die Musik die sie hören, die Band die sie sehen, toll finden. Es geht sogar schon soweit dass es cool ist, sich mit der Technik und den Verstärkern auszukennen, oder was auch immer. Jeder ist ein Kritiker.“ Sicher, Fumble haben da ihre Meinung.

Eine Band, die allumfassend im letzten Jahr die Leute auf die Beine brachte, waren natürlich Slade. Und intressanterweise haben Fumble mit Slade gemeinsam, dass sie sich jeden Abend auf der Bühne aufs Glatteis wagen mit dem Versuch, das Publikum zum mitmachen zu bewegen.
Für Slade gibt es da keine Probleme – Das Publikum ist so beeindruckt und gedankenverloren, dass sie praktisch alles machen können. Noddy Holder gibt den Ton an. Und erstaunlicherweise scheinen Fumble den gleichen Effekt zu erzielen – Die Leute dazu zu bringen, ihr Coolheit mal abzulegen (Schuhe, Hosenträger oder was auch immer), und einfach mal abzutanzen.
Ihre Vorstellung von einem gelungenen Gig fasst Schlagzeuger Barry Pike zusammen als: „Eines bei dem das Publikum abgeht, bei dem was du tust“. Man bemerke, er erwähnte das Publikum – und nicht etwa „mein Schlagzeug“ oder „Des‘ Gitarrenspiel“. Fumble sind nicht maßlos.
Das wichtigste ist die Show – und zu versuchen, den Spass in die Köpfe der Leute hineinzubekommen.“ Spass ist wahrscheinlich einer der Gründe, warum wir bis vor verhältnismässig kurzer Zeit noch nie etwas von Fumble gehört haben.

Unter dem Namen „The Baloons“, mit der momentanen Besetzung – Sean Mayes (Keyboard), Mario Ferrari (Bass), Barry Pike (Schlagzeug) und Des Henly (Gitarre) - haben sie viel auf dem Kontinent gearbeitet. Es gefiel ihnen, herumzureisen und Spass zu haben, und solange etwas zu essen da war, waren sie glücklich. Geld spielte keine grosse Rolle, und ganz unten auf den Plakaten zu stehen, machte ihnen ebenfalls nichts aus. „Keiner erwartet von dir, überhaupt gut zu sein, also kann auch niemand enttäuscht sein. Und wenn du gut bist, dann scheinen sie es um so mehr zu würdigen.“

Vielleicht war ihr Manager John Sherry derjenige, der hauptsächlich dafür verantwortlich war, die Band arrangieren. Als er Fumble zum ersten mal traf, war Sherry jemand mit einem Telefon im Zimmer von jemand anderem, der bemüht war, eine irgendeine Agentur zu starten. Jetzt ist er höchst erfolgreich und kümmert sich um Leute wie Wishbone Ash und Vinegar Joe.
Es war Sherry, der die denkwürdigen Worte zu Fumble sagte: „Ich werde euch einfach nicht los, ihr sind meine Freunde“. Welche ihnen vielleicht klarmachten, dass sie stagnierten, während er erfolgreich war.. „Vor vierzehn Momaten änderten wir unseren Namen in Fumble und die ganze Sache wurde intensiver. Auf der Bühne wussten wir, wir hatten etwas und wir wussten, es war gut. Aber wir neigten leider dazu, ein wenig bequem zu sein.

Fumble haben auf jeden Fall bei vielen Leuten den richtigen Ton angeschlagen. Sie singen Lieder von Herz-Schmerz („Take Good Care Of My Baby“), Traurigkeit („Ebony Eyes“), Wunder („Poetry In Motion“) – In der Tat passt jede Rock Nummer dieser Ära in irgendeine dieser Stimmungen. Man kann in Nostalgie schwelgen, mit Texten in denen der Junge ein Mädchen liebt, vielleicht begehrt, in einer Zeit verweilen, in der der es das Highlight der Woche war, in der letzten Reihe im Kino zu sitzen – oder darauf zu warten, dass Mum and Dad endlich zu Bett gingen, um dann auf dem Sofa mal kurz zu fummeln.
Das heutige Publikum – sagen wir mal 11-jährige, haben wenig Texte mit denen sie sich identifizieren können. Die Texte in vielen Liedern treffen einfach nicht auf sie zu. Mit den Texten der alten Songs die wir spielen, kann sich jede Altersgruppe identifizieren.“
Fumble sind auf sicher eine der stärksten Bewerber für Erfolg im kommenden Jahr. Sie haben einen soliden musikalischen Hintergrund, eine stramme Bühnenshow und viel Spass. Einziges Hindernis könnte sein, dass sie zu einer Insider-Band werden, was zwar ganz nett wäre, sie aber ein wenig einschränken würde.
Trotzdem, ich glaube nicht, daß das passieret, denn sie scheinen eine universelle Anziehungskraft zu haben.