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FUMBLE
Nostalgischer Pomaden-Pop
"Rock'n'Roll
Revival Band", dieser Begriff garantiert selbst bei ausdauernden
Pop-Enthusiasten inzwischen allenfalls verhaltene Erheiterung. Ein
Rudel amateurhafter Bands, das sich auf schludrig gespielte Evergreen-Potpourris
("Nutrocker", "Little Queenie", usw...) beschränkt,
hat einem den Spaß daran verleidet. Das reine Zitat, dazu
noch schlecht zitiert, scheint als Endprodukt aller Wiederbelebungsversuche
etwas matt - jüngstes Beispiel dieser Untugend die stümperhafte
Band "Long Tall Ernie" beim ersten "Summer Rock Festival"
im Frankfurter Radstadion. Intelligent angepackt, mit zielstrebiger
Konsequenz inszeniert, hat ein Rock'n'Roll Revival nach wie vor
exaltierten Reiz. Auf zwei Arten scheint es heute denkbar: a) als
bewußte Parodie - etwa in der Art der amerikanischen "Sha-Na-Na"-Truppe,
die mit ihrem überkandidelten Rock'n'Roll Ballet die Fünfziger-Jahres-Posen
parodistisch überzeichnet, b) als authentische Kopie - optisch
wie akustisch peinlich exakt nachgearbeitet, wird sie zur Demonstration
einer Pop-Epoche. Von der Darbietungsebene gar nicht unähnlich
Buffalo Bills Wildwest-Zirkus; zeitlose Legenden, nostalgische Mythen
als Tournee-Institution. Altmodischer Rock als überzeitlich
aktueller Lasso-Trick. Das englische Quartett "Fumble"
gehört in diese zweite Kategorie. Im Auftreten und Aussehen,
auf Schallplatten und Plattencover, in Konzerten (bis hin zur Verwendung
eigens nachgebauter, veraltet aussehender Verstärker-Boxen)
arbeiten die vier Musiker bewußt an einer möglichst authentischen
"Rock'n'Roll-Show". (Dieses absichtliche, mediumbewußte
Agieren hatte "Fumble" bereits eine Einladung von David
Bowie für das Vorprogramm seiner Tourneen eingebracht.) Das
Resultat der "Fumble"-Bemühungen: keine "Revival"-Scharlatanerie,
kein halbherziger Aufguß, sondern ein überzeugendes Rock'n'Roll-Faksimile.
Anreiz für unseren Mitarbeiter Bert Hensel zu einem
belustigenden Portrait: Wer die Hülle der ersten "Fumble"-LP
sieht, kann die Musik bereits optisch vorausahnen: zu sehen
ist ein Wohnzimmer der fünfziger Jahre, penibel rekonstruiert
als scheußlich schöne Oase damaliger Teenager-Behaglichkeit.
Die "Who" besangen das "teenage waste land"
der siebziger Jahre; die pubertäre Einöde der
fünfziger Jahre ist auf dem "Fumble"-Cover
stilecht bewohnt; abstrus gemustertes Mobilar, emailierte
Aschenbecher, Gummibaum und Popcorntüte bestimmen die
Szenerie, darin ein Rock'n'Roll-Pärchen auf der Couch
beim Mono-Schallplattengenuß. Sie mit Pferdeschwanz,
Herz-Medaillon-Umhänger, weißen Söckchen,
er mit Schmalztolle, fettigem Kamm in palmenbedruckten Oberhemd,
Hochwasser-Blue-Jeans, und wo er bei seiner Freundin hinlangt,
haben "Fumble" ihren Namen her.
Das britische Quartett "Fumble" interpretiert
die Rock'n'Roll- und Popmusik der fünfziger Jahre so
originalgetreu, daß einem der Aufdruck "Stereo"
auf dem Plattenetikett schon wie ein grober Stilbruch aufstoßen
mag. (In einer Version sehe ich Star-Produzent Phil Spector,
wie er jedem einzelnen "Fumble"-Musiker ehrend
einen Ansteck-Button "Back To Mono" an die Brust
heftet.)
Nachdem die neuerwachte Sehnsucht nach altem, die vielzitierte
Nostalgie, sich inzwischen zum aktuellen Modetrend ausgewuchert
hat, mag "Fumbles" ("live" wie auf Platte
glänzend gespieltes) Rock-Revival von Buddy Holly,
Roy Orbison und Elvis Presley kaum mehr Verwunderung hervorrufen,
eher aber amüsiertes Lächeln. Üppigen Beifall
erhielten Des Henly (Leadgitarre, Gesang), Sean Mayes (Piano,
Gesang), Mario Ferrari (Baß, Gesang) und Barry Pike
(Schlagzeug) am 22. Juli im Frankfurter Radstadion. Im Zuge
des von "MAMA"-Concerts veranstalteten zweiten
"Summer Rock Festival" war der "Fumble"-Sound
mit stilistisch aktuelleren Gruppen durchaus konkurrenzfähig.
Danach begleitete "Fumble" noch, kurzfristig vereinbart,
Altmeister Chuck Berry (der in seiner bekannt listigen Verquickung
von "Hail, hail, Rock'n'Roll!"-Euphorie und amerkianischem
Business-Geist damit wieder einmal die Ausgaben für
die eigene Begleitband gespart hatte. But that's another
story...)
Dagegen ermöglicht die erste "Fumble"-LP
(eine zweite steht kurz vor Vollendung) eigene Freiräume
- man kann beispielsweise mit einem Hula-Hopp-Reifen kreativ
dazu schäkern.
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